Freund Herbert Schedlmayer präsentiert einen hervorragenden Vortrag. Man merkt, dass er seinen Beruf als echte "Berufung" versteht. In vielen Beispielen aus dem In- und Ausland wir uns das Thema näher gebracht. Er geht auf die Probleme der Bauordnungen ein, die in vielen Fällen noch eine Hürde darstellen.
Auszug aus dem Vortrag .
Dazu gab es ausführliche Beispiele aus der Region und attraktive Projekte aus dem Ausland - Herbert widmet sich auch im Urlaub interessanten Bauten!
Bis vor 100 Jahren ist kaum jemand auf
die Idee gekommen, bestehende Häuser abzureißen, das Material auf eine
Müllhalde zu kippen und aus weiter Entfernung neues Baumaterial heranzukarren.
Man hat versucht, Strukturen zu erhalten
und Baumaterialien wiederzuverwenden. Was schon da ist, muss nicht mühsam
transportiert und mit viel Aufwand neu erstellt werden, vor allem dann, wenn
Ressourcen knapp sind.
Den Bestand zu nutzen, war schon immer
die sparsamste Variante!
A. Flächenrecycling
Große,
zusammenhängende Flächen –
als
Verwertung von Brachflächen für neue Nutzungen
auf
Ebene des Städtebaues
Beispiele: vormalige Kasernen,
Eisenbahngelände, Hafenanlagen, Industriegebiete, etc.
B. Gebäuderecycling
Nachnutzung
bestehender Gebäude und Einrichtungen,
als
Verwendung von Leerflächen für neue Nutzungen
Auf
Ebene der Sanierung und Architektur
Beispiele: historische Gebäude
(Kirchen, Burgen…) Fabriken, Lagerhallen, Handelsbetriebe, Garagen und
Parkhäuser, Landwirtschaften, Silos, Wohngebäude, Gaststätten, öffentliche
Gebäude, Büros, Verwaltungsgebäude, etc
TRANSFORMATION VON FLÄCHEN
A. Flächenrecycling (-upcycling)
TRANSFORMATION VON GEBÄUDEN
A
1: Nutzung bereits versiegelter Flächen
durch vollständigen
Abbruch und anschließender Neubebauung
A
2: Nachnutzung bereits versiegelter
Flächen durch teilweisen
Abbruch und anschließender Neubebauung.
A
3: Nutzung bereits versiegelter Flächen durch Adaptierung
des vorhandenen Baubestandes mit minimalem
Abbruch.
Die
Nachhaltigkeit nimmt von A1 bis A3 zu:
A1 stoppt immerhin den Flächenverbrauch –
keine zusätzliche Bodenversiegelung
A3 sowohl den Flächenverbrauch als auch den
Materialaufwand für Neubau
B. Gebäuderecycling (-upcycling)
B
1: Nachnutzung bestehender historischer
Gebäude und Kirchen
B
2: Nachnutzung vormaliger Fabriken,
Betriebsgebäude, Lagerhallen
B
3: Nachnutzung vormaliger Handelsbetriebe
B
4: Nachnutzung vormaliger Verkehrs-
und Logistikeinrichtungen
B
5: Nachnutzung vormaliger Landwirtschaften
B
6: Nachnutzung vormaliger Tourismus-
und Freizeiteinrichtungen
B
7: Nachnutzung vormaliger Wohngebäude
B
8: Nachnutzung vormaliger öffentlicher
Gebäude und Einrichtungen
B
9: Nachnutzung vormaliger Büro-
und Verwaltungsgebäude
Schlussfolgerungen Voraussetzungen & Stolpersteine
•Ohne Mieter geht es nicht –
Brachflächenrecycling benötigt eine komplette Wertschöpfungskette
•Man braucht also einen Business
Case – Eigentümer und Investoren finanzieren keine Unsicherheiten
•Wenn es ohne Förderung nicht geht,
geht es auch mit Förderung nicht!
Wann
kann Flächen- und Gebäuderecycling gelingen?
Wenn Außenmauern und tragende Teile erhalten werden können
§Wenn die verwertbare Nutzfläche
vergrößert werden kann (oft Widerstände institutioneller Art)
§Wenn die Energieversorgung auf
nachhaltige Energieträger umgestellt werden kann
§Wenn die Finanzierung infolge der
langen Genehmigungsvorgänge nicht zum Flaschenhals wird
§Wenn das Projekt nicht romantisch
verklärt wird und klare Nutzungsaussichten hat (siehe oben)
§ Wenn alle Beteiligten guten
Willens sind (siehe die rotarische 4-Fragen-Probe)
Kosten
Neubau vs nachhaltige Kernsanierung
€
3.500-4.000 vs. €
2.500,-- (ohne Grundstückskosten!!!)
Bei 130 km² (das sind: 130 Mio. m²)
brachliegender Gewerbe- und Industrieflächen in Österreich (Quelle:BMWKMS) und
12,5 km² leerstehendem Wohnraum in Österreich sollte ernsthaft über
zusätzlichen NEUBAU nachgedacht werden.
Die Transformation , also das Umformen,
ist ein längerfristiger Lern- und Suchprozess, der
es uns ermöglicht, nicht sofort alles abbrechen zu müssen, alles
unwiederbringlich zu zerstören, sondern lieber dreimal darüber nachzudenken,
wie der BESTAND weiterhin BESTAND haben kann – in einer durchaus modernen,
zeitgemäßen
Ausformung. .
Wie meine Beispiele zeigen, ist dies bereits vielfach erfolgt!!!
DAHER:
Wir brauchen eine neue UMBAUKULTUR – Die Zukunft liegt im Bestand oder BAUKULTUR IM BESTAND = BAUKULTUR
MIT VERSTAND